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Neue Regeln für Check-up 35 und Darmkrebsvorsorge

Gesetzliche Änderungen im Überblick


Bildcopyright: Nomad / iStock-Fotografie-ID: 685868716

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in den vergangenen Monaten gleich zwei wesentliche Änderungen mit Auswirkungen auf den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung beschlossen.

Check-up 35: neuer Rhythmus, andere Schwerpunkte

Das Untersuchungsintervall der Vorsorgeuntersuchung Check-up 35 wird angepasst. Gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren haben demnach künftig nur noch alle drei und nicht mehr alle zwei Jahre Anspruch auf die Untersuchung. Dafür erhalten auch jüngere Versicherte zwischen dem 18. und dem 35. Lebensjahr die Möglichkeit, den Check-up einmalig zu nutzen. Dabei sind Blutuntersuchungen nur bei entsprechendem Risikoprofil durchzuführen. Im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung werden künftig noch stärker als bisher gesundheitliche Risiken und Belastungen erfasst und bewertet, um Erkrankungen rechtzeitig vorbeugen zu können. Je nach Ergebnis erfolgt im Anschluss eine Beratung, wie das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung minimiert werden kann. Patienten sollen dadurch motiviert werden, mehr für ihre Gesundheit zu tun. Die bisherige Fokussierung der Gesundheitsuntersuchung auf die Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen entfällt. Zum Check-up gehören weiterhin neben der Anamnese eine körperliche Untersuchung, das Messen des Blutdrucks, eine Untersuchung des Urins sowie die Bestimmung der Blutzucker- und Cholesterinwerte. Neu ist zudem eine Impfberatung.

Darmkrebsvorsorge: Einladungsverfahren und Senkung der Altersgrenze

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Dieser Krebs wird bei mehr als 60.000 Menschen pro Jahr neu diagnostiziert, etwa 26.000 Menschen sterben an den Folgen der Erkrankung. Gemäß einem Auftrag aus dem 2013 verabschiedeten Gesetz zur Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennung hat der Gemeinsame Bundesausschuss auch eine Reform des Darmkrebs-Screenings beschlossen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Reform ist die Einführung eines bundeseinheitlichen Screening-Programms, in dem Anspruchsberechtigte eine regelmäßige Einladung zur Darmkrebsfrüherkennung und die damit verbundenen Untersuchungen erhalten. Auf Basis neuerer wissenschaftlicher Daten hat der Bundesausschuss zudem das Alter für anspruchsberechtigte Männer und Frauen von 55 auf 50 Jahre gesenkt.

Folgende Leistungen sind künftig vorgesehen:

  • jährlicher Anspruch auf einen immunologischen Stuhltest für Männer und Frauen zwischen 50 und 54 Jahren.
  • Bei auffälligen Befunden: Anspruch auf eine Abklärungskoloskopie
  • Ohne Auffälligkeiten: Anspruch auf zwei Koloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren für Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren. Wird das Angebot von Männern erstmals ab 65 Jahren wahrgenommen, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nur eine Koloskopie.
  • Wird keine Früherkennungskoloskopie in Anspruch genommen, haben Männer und Frauen ab 55 Jahren alle zwei Jahre einen Anspruch auf den Bluttest.

Inkrafttreten

Das Gesundheitsministerium hat die Beschlüsse zu prüfen. Bei Nichtbeanstandung treten diese am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Im Hinblick auf die neuen Regeln zum Check up 35 ist dies am 25.10. bereits erfolgt.  Im Anschluss haben Krankenkassen und Leistungserbringer noch sechs Monate Zeit, um die Vergütungen festzulegen. Danach können Versicherte diese neuen Leistungen in Anspruch nehmen.

 

Hintergrund: G-BA

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für mehr als 70 Millionen Versicherte und legt damit fest, welche Leistungen der medizinischen Versorgung von der GKV getragen werden. Darüber hinaus beschließt der G-BA Maßnahmen der Qualitätssicherung für den ambulanten und stationären Bereich des Gesundheitswesens. Aktueller Vorsitzender des G-BA ist Josef Hecken.


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