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Wenn der Gang zur Arbeit nicht möglich ist

Was Beschäftigte beachten sollten, um rechtliche Ansprüche zu wahren


Bildcopyright: izusek / iStock-Fotografie-ID: 154032158

 Schnupfen, Husten, Heiserkeit oder sonstige Infekte sind nicht nur in der Winterzeit häufig lästige Begleiter, die uns das Leben schwer machen. Mit dröhnendem Kopf und Fieber oder bei einem Darm-Alarm ist ans Arbeiten kaum zu denken. Aber auch eine Verletzung kann den Gang zur Arbeit unmöglich machen. Was nun: zum Arzt gehen, zu Hause bleiben oder lieber trotzdem ins Büro gehen? Eine Entscheidung, bei der neben gesundheitlichen Aspekten auch die rechtliche Seite bedacht werden sollte. Bettina Miehe, Teamleiterin Geldleistungen bei der BKK W&F, kennt sich aus.

Darum ist die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung so wichtig

Aus einer Krankschreibung leiten sich Entgelt- und Leistungsfortzahlungsansprüche sowie später gegebenenfalls auch ein Anspruch auf Krankengeld ab. Miehe: „Sie muss daher innerhalb einer Woche nach Ausstellung bei der Krankenkasse vorliegen.“ Die Arbeitsunfähigkeit soll dabei nicht für einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen im Voraus bescheinigt werden. Liegen besondere Umstände vor, sind bis zu vier Wochen möglich, eine Attestierung auf Dauer dagegen nicht. Die Bescheinigung selbst besteht aus einer Ausfertigung für den Versicherten, den Arzt und die Krankenkasse. Ob es sich um eine Erst- oder Folgeerkrankung handelt, wird über das Formular mitgeteilt. Tritt eine Erkrankung, nachdem Sie bereits wieder gearbeitet haben, erneut auf, handelt es sich wieder um eine Erstbescheinigung.

Ärzte dürfen zudem maximal drei Tage rückwirkend krankschreiben. Für weitergehende Rechtsansprüche wie den Anspruch auf Krankengeld bei längerer Krankheit ist der ebenfalls in der Bescheinigung abgefragte Tag der Feststellung maßgeblich. Miehe erläutert zudem: „Auch Krankenhäuser können bei stationärer Aufnahme Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen. Im Rahmen des Entlassungsmanagements ist dies für bis zu sieben weitere Tage möglich.“

Bis zu drei Tage ohne Attest

In manchen Unternehmen dürfen Arbeitnehmer bis zu drei Tage ohne Bescheinigung krank zu Hause bleiben. „Rechtlich darf eine Firma allerdings schon am ersten Tag ein Attest verlangen“, so Miehe. Eine Informationspflicht gilt aber so oder so ab dem ersten Tag. Dabei sollte der Vorgesetzte selbst und/oder die Personalabteilung informiert werden. Es reicht nicht, einen Kollegen darum zu bitten. Ein Anruf ist am besten. 

Lücken zwischen Krankschreibungen vermeiden

Ist man länger krank, müssen die Krankschreibungen lückenlos sein. Das heißt, wer bis Mittwoch krankgeschrieben ist, muss spätestens am Donnerstag wieder zum Arzt. Beim zweiten Mal kann der Arzt nicht mehr rückwirkend krankschreiben. 
Am Wochenende gilt: Falls der Krankenschein bis Freitag gilt, genügt es, wieder ab Montag krankgeschrieben zu sein. Miehe: „Wer am Wochenende normalerweise arbeitet, sollte aber darauf achten, auch dann krankgeschrieben zu sein.“

 

Nicht verwechseln: Kinderkrankengeld

Wer sich um sein krankes Kind kümmern muss, darf ebenfalls zu Hause bleiben. Hier greift das sogenannte Kinderkrankengeld, sofern das Kind gesetzlich krankenversichert ist und der Arbeitgeber keine bezahlte Freistellung leistet.


Krank sein heißt nicht, das Bett zu hüten

Wer krank ist, soll gesund werden. Dazu ist es nicht immer ratsam, das Bett zu hüten. Spaziergänge, aber auch nötige Einkäufe sind erlaubt. Eine Krankschreibung ist darüber hinaus immer nur eine Prognose. „Wer sich früher wieder fit fühlt, darf auch wieder zur Arbeit gehen“, erläutert Miehe. Allerdings kann das zu einem Problem mit der Unfallversicherung führen, falls man auf dem Weg zur Arbeit in einen Unfall gerät. Aber: Wer bereits Krankengeld bezieht, muss die Krankenkasse informieren, dass er wieder arbeitet.

Krankengeld

Dauert eine Erkrankung länger als sechs Wochen, endet der Anspruch auf Entgeltfortzahlung gegenüber dem Arbeitgeber; ihr folgt als Entgeltersatzleistung das Krankengeld. Dies ist bei wiederkehrenden Erkrankungen innerhalb der vergangenen zwölf Monate auch früher möglich, da Vorerkrankungen angerechnet werden. Die Information dazu erhält ein Arbeitgeber von der Krankenkasse, selbstverständlich ohne Nennung der konkreten Diagnose(n). Auch im Krankengeldbezug erhalten Versicherte weiterhin Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die früheren Auszahlscheine gibt es nicht mehr.

Stufenweise Wiedereingliederung

Während einer Wiedereingliederung arbeiten Versicherte für Teilstunden. Sie wird individuell geplant und kann vier, sechs oder sogar acht Wochen dauern. Da die volle Arbeitsleistung nicht erreicht ist, besteht auch während dieser Maßnahme rechtlich weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit.


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