Inhalt

Digitale Gesundheit – Hinter den Kulissen von Vivy

Nach holprigem Start auf der Überholspur


Bildcopyright: Eva Katalin Kondoros / iStock-Fotografie-ID: 629171276

Die Krankenkassen machen ernst mit der digitalen Patientenakte: Millionen Versicherte können ihre Gesundheitsdaten mittlerweile online verwalten. Wie die BKK W&F setzen viele weitere Betriebs-, aber auch Innungs- und Ersatzkassen dabei auf Vivy. Diese App speichert Befunde, Laborwerte oder Röntgenbilder und soll einen sicheren Datenaustausch zwischen Patient, Arzt und Krankenkasse ermöglichen (siehe auch Ausgabe 4/2018). Da es um hoch sensible Daten geht, war eine kontroverse Diskussion vorprogrammiert. Wir haben nachgefragt bei Christian Rebernik, einem der Macher hinter Vivy.

Herr Rebernik, Sie gelten als das Gesicht von Vivy. Wie kam es zu der Idee?

Als Co-Gründer und CEO von Vivy identifiziere ich mich persönlich voll und ganz mit unserer Mission. Wir möchten mit der Hilfe von modernen Technologien Menschen den direkten Zugang zu ihren Gesundheitsdaten geben, um die eigene Gesundheit genauer zu verstehen und besser informierte Entscheidungen treffen zu können. Dafür steht Vivy, aber natürlich auch ich als Christian Rebernik. 

Wie unterscheidet sich Vivy von anderen digitalen Akten?

Mit Vivy wollen wir Menschen helfen, ihre Gesundheit aktiv zu gestalten, einfach, sicher und selbstbestimmt: Vivy ist die elektronische Gesundheitsakte mit persönlicher Assistentin. Sie unterstützt Nutzer, ihre Gesundheitsdaten zu bekommen, zu verstehen und zu nutzen. Vivy macht persönliche medizinische Dokumente verschlüsselt auf dem Smartphone verfügbar, erinnert an Impfauffrischungen, unterstützt bei der Medikamenteneinnahme und informiert über Wechselwirkungen. Mit Vivy sind Notfalldaten immer in der Hosentasche und der integrierte Gesundheits-Check gibt individuelle Tipps. Zukünftig gibt Vivy als Plattform für unterschiedliche Gesundheitsinformationen ein noch holistischeres Bild der eigenen Gesundheit.

Wie kommen meine Gesundheitsdaten konkret in die App?

Vivy bietet unterschiedliche Möglichkeiten, die eigenen Gesundheitsdaten zu sammeln und zu organisieren. Man kann direkt in der App und von überall eine Dokumentenanfrage an seine Ärzte stellen. Immer mehr Praxen, Krankenhäuser und Labore unterstützen dies auch bereits. Die Nutzerin oder der Nutzer kann medizinische Dokumente aber auch direkt beim Arzt vor Ort anfragen und nach sicher verschlüsselter Übermittlung im Vivy-Konto empfangen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, bereits vorhandene Dokumente manuell hochzuladen. Bei jeder dieser drei Varianten bleiben die Daten in Vivy natürlich nur für den Nutzer selbst einseh- und teilbar. 
 

So denken wir über Vivy

Thorben Weichgrebe, Datenschutzkoordinator der BKK W&F: „Sicherheit auf höchstem Niveau ist im Umgang mit hochsensiblen Daten unerlässlich. Die Vivy GmbH überprüft die Sicherheitsarchitektur der App laufend, auch durch externe Sicherheitsexperten. Stand heute entspricht dies aus unserer Sicht allen rechtlichen Vorgaben. Es spricht daher nichts gegen die eigenständige Pflege durch Versicherte. Beim möglichen Ausbau der Anbindung an uns werden wir aber wie gewohnt Sorgfalt vor Schnelligkeit walten lassen.“

Björn Hansen, Vorstand der BKK W&F: „Nach holprigem Start sehen wir den Zeitpunkt nun als gekommen an, die Kosten der Vivy-App für interessierte Versicherte als Mehrleistung im Rahmen unserer Satzung zu übernehmen. Selbstverständlich steht es jedem und jeder Versicherten frei, die App auch wirklich zu nutzen oder nicht.“

 

Müssen Praxen und Krankenhäuser digital aufrüsten, damit Vivy funktioniert? Und welchen Nutzen haben Ärztinnen und Ärzte?

Ein flächendeckender Einsatz ist bereits heute möglich: In der Hand des Nutzers bietet die App diesem einerseits die Möglichkeit, Dokumente anzufordern, gleichzeitig aber auch der Praxis oder dem Krankenhaus bereits heute die Option, die Dokumente direkt mit ihm zu teilen. Dazu ist keine weitere Software-Inte­gration nötig. Dennoch arbeiten wir aber an der Integration weiterer Schnittstellen zu den gängigsten Praxis-Software-Systemen, um noch einfachere Möglichkeiten im Praxis­alltag zu bieten. Eine Anbindung an den Kassen-Standard KV-Connect ist beispielsweise im ersten Quartal 2019 geplant.

Vivy war erst ein paar Tage am Markt, da gab es neben Lob auch Kritik. Worum ging es dabei und wie haben Sie sich hier positioniert?

Vivy ist Pionier bei der Digitalisierung im Gesundheitsbereich. Wir haben hier bereits einen Stein ins Rollen gebracht. Daraus erwächst große Verantwortung, diese nehmen wir sehr ernst. Gleichzeitig stehen wir als Pionier in Deutschland natürlich im besonderen Interesse der Öffentlichkeit. Diese Vorreiterrolle nehmen wir aktiv an. Unser Selbstverständnis ist: Vivy gestaltet die Innovation im Einklang mit höchsten Ansprüchen an Sicherheit und Datenschutz. Dies gewährleisten wir durch regelmäßige unabhängige Überprüfungen und Transparenz. Bei Vivy betrachten wir Sicherheit und Usability auch nie als abgeschlossen, sondern als ständigen Prozess der Verbesserung.

Wo genau werden die sensiblen Patientendaten abgelegt und gespeichert?

Die Daten liegen entsprechend der vom Bundesamt für Informationstechnik (BSI) empfohlenen kryptographischen Methoden verschlüsselt auf deutschen Servern im Raum Frankfurt. Die Server erfüllen die Standards ISO-27001 (Informationssicherheitsmanagement), ISO-9001 (Qualitätsmanagement), wie auch die BSI-Standards 200-1 (Managementsysteme für Informationssicherheit) und BSI 200-2 (IT-Grundschutz-Methodik). Die eigenen Daten sind auch nur dem Nutzer über sein persönliches Smartphone zugänglich, nur er kann sie entschlüsseln. Auch wir von Vivy, Ärzte oder Versicherungen haben darauf keinen Zugriff. Auf Wunsch kann der Nutzer ausgewählte Daten aber natürlich mit Behandlern teilen, wenn er das möchte.

Vielen Dank für das Gespräch.


Hintergrund: Vivy GmbH

Vivy ist nicht nur der Name einer App, es ist auch der Name des Unternehmens, das diese entwickelt hat. Das Unternehmen ist zu 70 Prozent ein Tochterunternehmen der Allianz SE. Als systemübergreifende Lösung für die elektronische Gesundheitsakte arbeitet man in enger Partnerschaft mit gesetzlichen wie privaten Versicherungen zusammen, die potenziell mehr als 25 Millionen Versicherte repräsentierten. Die Zusammenarbeit ist Folge eines Vergabeverfahrens der BITMARCK, dem IT-Dienstleister vieler Krankenkassen, zu denen auch die BKK W&F gehört. Mehr über Vivy erfahren Sie unter: www.vivy.com. Die App finden Sie unter dem gleichen Namen bei Google Play und im Apple App Store.
 
 
 


Kategorie:  

Durchstarten von Anfang an

Rechtzeitig an die eigene Krankenversicherung denken

weiterlesen