Inhalt

Kategorie:  

Nabelschnurblut: zu wertvoll zum Wegwerfen

Pro und Contra Stammzelleneinlagerung


Bildcopyright: Aleksandar Nakic / iStock-Fotografie-ID: 870774166

Seit mehreren Jahrzehnten werden Stammzellen zur Behandlung schwerer Erkrankungen eingesetzt. Während 1957 das erste Mal körperfremdes Knochenmark übertragen wurde, hat die Entnahme von Stammzellen aus Nabelschnurblut eine jüngere Historie: Erst 1988 wurden in Frankreich erstmals diese Stammzellen therapeutisch angewendet. Auch wenn sich Experten auch heute noch über die Vor- und Nachteile einer privaten oder öffentlichen Einlagerung streiten: Einig sind sie sich, dass Nabelschnurblut eigentlich viel zu wertvoll ist, um 97 Prozent aller Nabelschnüre jährlich als Klinikabfall enden zu lassen.

Das macht Nabelschnurblut so besonders

Nach der Geburt und Abnabelung des Neugeborenen befindet sich noch Blut in der Nabelschnur und im Mutterkuchen (Plazenta). Denn erst im letzten Schwangerschaftsdrittel geht die Blutbildung von Leber und Milz auf das Knochenmark über. Zum Zeitpunkt der Geburt befinden sich daher auch Stammzellen in diesem Blut. Genau wie die Blutstammzellen von Erwachsenen können die aus dem Nabelschnurblut gewonnenen Blutstammzellen schwer kranken Patienten transplantiert werden.

Die Entnahme ist nach Auffassung des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland (ZKRD) gefahrlos für Mutter und Kind. Sie wird von Hebammen und Ärzten durchgeführt, indem die Nabelvene am Ende der Nabelschnur mit einem speziellen Blutbeutel-Sammelsystem punktiert wird. Das so gewonnene Blut wird anschließend zu einer Nabelschnurblutbank transportiert. Hier wird das Blut als Konzentrat tiefgefroren und eingelagert.

Vor- und Nachteile von Nabelschnurblut

Ein Vorteil bei der Transplantation von Blutstammzellen aus dem Nabelschnurblut ist das geringere Infektionsrisiko dieser frischen Zellen. Außerdem ist der Aufwand im Vergleich zu einer normalen Transfusion deutlich geringer, das Blut ist für den Empfänger zudem meist verträglicher. Allerdings kann es sein, dass die Menge der Blutstammzellen letztlich nicht für eine Behandlung ausreicht. Außerdem ist es möglich, dass die Blutbildung nach einer Transfusion länger dauert. Weiterhin besteht ein geringes Risiko, unerkannte Erbkrankheiten zu übertragen.

Private Einlagerung oder Spende?

Nabelschnurblut, das einer gemeinnützigen Nabelschnurblutbank gespendet wurde, steht weltweit für Patienten zur Verfügung. Hierfür melden die Nabelschnurblutbanken die für die Suche relevanten Daten der Präparate an das ZKRD. Auf Anfrage sucht das ZKRD dann in diesem Datenbestand nach geeigneten Präparaten. Die Einlagerung in einer solchen gemeinnützigen Nabelschnurblutbank ist kostenfrei.

Wird Nabelschnurblut gegen eine Gebühr bei einer privaten, kommerziell betriebenen Nabelschnurblutbank eingelagert, steht dieses primär nur dem Spender selbst zur Verfügung. Die Idee: Falls bei dem Spender später eine schwerwiegende Krankheit auftritt, könnte im Rahmen der Therapie auf die eigenen Nabelschnurblutzellen zurückgegriffen werden.

Pro & Contra

Die Wahrscheinlichkeit, eigene Stammzellen für eine heute etablierte Therapie zu benötigen, ist dem ZKRD zufolge sehr gering. Gerade bei hämatologischen Erkrankungen werden demnach aktuell vorwiegend fremde Stammzellen verwendet, da diese einen zusätzlichen immuntherapeutischen Effekt haben und das Risiko besteht, dass die Krankheit im eigenen Nabelschnurblut bereits angelegt ist.

Bis heute wurde nach Informationen der privaten Nabelschnurblutbank Vita34 trotzdem weltweit mehr als 35.000 Mal Nabelschnurblut transplantiert. "Stammzellen leisten einen wichtigen Beitrag bei der Behandlung onkologischer Erkrankungen. Sie können den Krebs selbst zwar nicht besiegen, aber sie sind zwingend notwendig, um nach einer Hochdosis-Chemotherapie das zerstörte Knochenmark und damit das blutbildende System und das Immunsystem wiederaufzubauen", erläutert Vita34-Unternehmenssprecher Gerit Sachs.

Seiner Ansicht nach werden in den kommenden Jahren aber noch weitere vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten untersucht, beispielsweise im Bereich der regenerativen Medizin bei Rückenmarksverletzungen, Typ-1-Diabetes oder Hirnschädigungen. Sachs abschließend: "Nicht die Frage, ob heute bereits Kinder mit dem eigenen Nabelschnurblut behandelt werden können, steht im Mittelpunkt, sondern die optimale Versorgung mit den besten Stammzellen im fortgeschrittenen Lebensalter der heute Geborenen."

Tipp: PDF-Ausgabe

Mehr Informationen zum Thema finden Sie in der PDF-Ausgabe.


Kategorie:  

Auf dem Vormarsch: Biologische Arzneimittel

Nachfolgeprodukte deutlich günstiger als Originalpräparate

weiterlesen