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Organspende: Die Entscheidung zählt

Wichtige und persönliche Entscheidung nicht anderen überlassen


Beispielbild von zwei Händen, die ein rotes Herz halten.

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Jeder dritte Deutsche besitzt einen Organspende-Ausweis. Was zunächst wenig aufregend klingt, relativiert sich bei einem Blick auf die Seltenheit einer Organspende: So haben 2018 laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) insgesamt 955 Menschen nach ihrem Tod Organe für schwer kranke Patienten gespendet. Demgegenüber stehen knapp 10.000 Menschen auf Wartelisten.

Trotzdem ist das Unbehagen groß. Denn ganz unabhängig von Skandalen aus der Vergangenheit ist die Entscheidung für oder gegen eine mögliche Organspende ein sehr persönlicher Entschluss. Ob man seine Organspendebereitschaft ganz oder teilweise erklärt oder für sich ausschließt, liegt also ganz allein bei jedem selbst. Durch eine Regelung im Transplantationsgesetz sind alle Krankenkassen – und damit auch Ihre BKK W&F – verpflichtet, jeden Versicherten ab 16 Jahren alle zwei Jahre schriftlich, aber ergebnisoffen zu informieren. Das Ziel: Zu einer Entscheidung ermutigen, damit dies im Fall der Fälle nicht Angehö-rige übernehmen müssen. Der Organspende-ausweis hilft dabei, die eigene Einstellung zur Organ- und Gewebespende zu dokumentieren. Nicht nur ein „Ja“ zur Organspende kann darin festgehalten werden. Einer Organspende kann auch widersprochen werden. Auch eine Übertragung der Entscheidung auf andere oder die Begrenzung der Entnahme auf bestimmte Organe ist möglich.

 

INFOTELEFON ORGANSPENDE

Möchten Sie Ihre Fragen rund um die Themen Organspende und Transplantation in einem persönlichen Gespräch am Telefon besprechen? Das Team vom Infotelefon Organspende ist für Sie da. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und dient als wichtige Anlaufstelle für alle Fragen zur Organ- und Gewebespende. Das Infotelefon ist von Montag bis Freitag zwischen 9 und 18 Uhr erreichbar. Die kostenfreie Servicenummer aus allen deutschen Fest- und Mobilfunk-netzen lautet 0800 9040400.

Zahlen, Daten, Fakten 2018

Die Anzahl der postmortal gespendeten Organe lag 2018 bei insgesamt 3.113 gegenüber 2.594 Organen im Vorjahr. Auch wenn die Zahl der Organspender im Jahr 2018 erstmals wieder anstieg: Im Vergleich zum Jahr 2010 entspricht dies immer noch einem bundesweiten Rückgang von 341 Organspendern. Entnommen und transplantiert wurden durchschnittlich 3,3 Organe pro Spender im Jahr 2018.

Keine Altersgrenze

Für die Organspende gibt es keine feststehende Altersgrenze. Es kann jedoch zu einem längeren Spendenprozess kommen, da das zunehmende Spenderalter die Charakterisierung der Funktionsqualität der zu transplantierenden Organe beeinflusst. Im bundesweiten Vergleich stiegen die absoluten Organspenderzahlen in allen Altersgruppen, insbesondere durch Steigerungen in den Regionen Nord, Nord-Ost, Ost und Baden-Württemberg. Entscheidend ist der Zustand der Organe. Dieser hängt jedoch nur bedingt vom kalendarischen Alter ab.

Über die Frage, ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheiden medizinische Tests nach dem Tode – und letztlich der Arzt, der die Organe transplantiert. Völlig unabhängig vom Alter kann die Augenhornhaut (außer bei Säuglingen und Kleinkindern) gespendet werden.

(Vor-)Erkrankungen

Eine Organentnahme wird in der Regel ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute maligne Tumorerkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegt. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den vorliegenden Befunden, ob Organe für eine Entnahme infrage kommen.

Keine Registrierung

Eine Registrierung von Daten im Zusammenhang mit der Bereitschaft zur Organspende findet nicht statt. Es existiert in Deutschland auch kein Widerspruchsregister (Eintragung der Ablehnung). Deshalb ist es wichtig, die eigene Entscheidung auf einem Organspendeausweis festzuhalten und mit der Familie darüber zu sprechen. Genauso wenig ist es notwendig, sich ärztlich untersuchen zu lassen, bevor man sich zur Organspende bereit erklärt. Die medizinische Eignung der Organe für eine Transplantation wird geprüft, nachdem der Tod nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden ist.

Voraussetzungen

Bevor Organe für eine Transplantation entnommen werden können, müssen zwei grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein: Der Tod des Spenders muss durch Feststellung des irreversiblen Ausfalls der Gesamtfunktion des Gehirns nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden sein. Zweitens muss für die Entnahme eine Einwilligung vorliegen, entweder in Form einer schriftlichen Einverständniserklärung des Verstorbenen (Organspendeausweis) oder indem eine vom Verstorbenen dazu bestimmte Person oder die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen einer Entnahme zustimmen.

Hintergrund: Die deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO)

Die DSO ist die Koordinierungsstelle für die postmortale Organspende gemäß Transplantationsgesetz und bietet den rund 1.250 Entnahmekrankenhäusern in Deutschland umfassende Serviceangebote bei den Abläufen der Organspende an. Dazu gehören die organisatorische Unterstützung zur Durchführung der Feststellung des Todes durch den irreversiblen Ausfall der Gesamtfunktionen des Gehirns, die Teilnahme am Gespräch mit den Angehörigen, die medizinischen Maßnahmen zur Erhaltung von Organen und zum Schutz der Organempfänger sowie die Koordinierung der Organentnahme und des Transports der Organe zum Transplantationszentrum.


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