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„Der Mensch ist nicht das, was er isst, sondern er ist, was er verdauen kann“

Veränderungen mutig angehen


Bildcopyright: GlobalStock / istockfoto-ID: 471444763

Es ist eigentlich keine neue Erkenntnis: Wenig Bewegung, ungesunde Ernährung und Stress haben einen negativen Einfluss auf die eigene Gesundheit. Aber wann ist der Zeitpunkt für Veränderungen gekommen und wie geht man diese an? Joachim Haid stellte sich vor nicht allzu langer Zeit dieser Herausforderung. Heute hilft der gelernte Versicherungsmakler anderen dabei, Antworten auf diese Fragen zu finden. Im Gespräch mit unserer Redaktion verrät er, wie es dazu kam.

Herr Haid, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich intensiver mit dem Thema Gesundheit auseinanderzusetzen?

In den 20 Jahren meiner Maklertätigkeit habe ich viele Anträge mit Gesundheitsfragen aufgenommen. Mitte der neunziger Jahre gingen diese, bis auf wenige Ausnahmen, auch meistens glatt durch. 15 Jahre später ergab sich ein völlig anderes Bild. Der Gesundheitszustand meiner Mandanten schien sich nach und nach verschlechtert zu haben – nahezu unabhängig vom Alter. Immer häufiger musste ich zum Beispiel Allergien erfassen, der Body-Mass-Index nahm zu sowie auch die Angabe psychischer Behandlungen. Heute kenne ich die Hintergründe dazu und weiß, dass rund 70 Prozent aller Erkrankungen, die zu Zuschlägen, Ausschlüssen oder Ablehnungen führen, vermeidbar sind. Gleiches gilt übrigens für die meisten der Erkrankungen, die zum Leistungsfall führen.

Was haben Sie daraus für sich gelernt?

Mit Anfang 30 war ich bereits sehr erfolgreich, fühlte mich aber oft erschöpft und ausgebrannt. Heute würde man sagen, ich war auf dem Weg zu einem Burnout. Durch einen eher zufällig besuchten Vortrag über den Zusammenhang von Burnout und Mikronährstoffmangel des bekannten Orthomolekular-Mediziners Dr. Michael Spitzbart kam ich glücklicherweise aus diesem Loch heraus und fing sogar wieder an, Sport zu treiben.

Im Winter 2016/2017 stolperten meine Familie und ich dann aber wieder von einem Infekt zum nächsten. Und auch mein Gewicht konnte ich nach anfänglichen Erfolgen nicht weiter reduzieren, was auch an meiner damaligen Leidenschaft für Süßes hing. Als ich eines Tages gerade wieder zugreifen wollte, erinnerte ich mich wieder an Dr. Spitzbart und hatte eine böse Vermutung: War ich vielleicht süchtig nach Zucker? Ich beschäftigte mich damals intensiv mit dem Immunsystem und der Wirkung eines hohen Zucker-konsums auf den Körper. Es gab für mich dabei nur einen Weg, das herauszufinden – harter Entzug. Ich beschloss also, sechs Wochen lang jeglichen Zucker wegzulassen, wo es mir möglich war. Ich kaufte nur noch Lebensmittel mit einem Zuckeranteil von bis zu 5 Prozent. Außerdem vermied ich konsequent alle weißen Kohlenhydrate und Getreide wie Brot, Gebäck, Nudeln, Reis, Kartoffeln.

Was passierte danach?

Im Laufe dieser sechs Wochen verbesserte sich mein Gesundheitszustand nach einer anfänglichen Schwächephase bis Tag drei enorm. Ich schlief tiefer, war konzentrierter und leistungsfähiger, sodass ich die sechs Wochen freiwillig auf sechs Monate ausdehnte. Nicht nur, dass zum Beispiel mein Zahnarzt feststellte, dass plötzlich meine Zahnfleischtaschen komplett ausgeheilt waren – zuvor hatte ich jahrelang damit zu kämpfen. Auch mein Gewicht reduzierte sich nach drei Jahren Stillstand endlich wieder und ich verlor während meiner persönlichen Challenge 15 Kilogramm Fettmasse. Heute ist daraus eine neue Ernährungsweise geworden.

Wie sieht diese neue Ernährungsweise heute aus?

Inzwischen habe ich weit über 100 Fachbücher rund um die Themen Ernährung, Stoffwechsel, Medizin und Zivilisationskrankheiten gelesen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte ich mein eigenes Gesundheitsprogramm mit dem Namen PaleoMental. Es betrachtet den Menschen als Ganzes und vor allem sehr individuell. Denn Geist, Körper, Ernährung und Bewegung gehören zusammen. Paleo steht dabei nicht für die bekannte Paleo-Diät – diese sehe ich in ihrer strengen Auslegung eher kritisch –, sondern für alt im positiven Sinn, also ursprünglich. Die Ergänzung Mental zeigt, wie stark die Verbindung zwischen Körper und Geist ist.

Die Ernährung hat häufig etwas mit Verzicht zu tun. Sehen Sie das auch so?

Unser Ansatz lautet „Der Mensch ist nicht das, was er isst, sondern er ist, was er verdauen kann“. Natürlich kann es sein, dass der eine oder andere bestimmte Lebensmittel nicht so gut verträgt und diese besser weglassen sollte. Ich bin hier selbst ein Beispiel, da ich an Unverträglichkeiten litt und Glutenhaltiges noch immer nicht gut vertrage – obwohl ich keine Zöliakie habe. Es gibt auch Zusätze, die heute in fast allen industriell gefertigten Produkten stecken, die wir allgemein reduzieren sollten – der Zucker in seinen vielen Ausprägungen ist hier zum Beispiel zu nennen. Mir geht es aber nicht darum, Kalorien zu reduzieren oder nur noch Kohlsuppe zu essen. Ich möchte zeigen, dass nachhaltiger und gesunder Genuss im Einklang der Gene und der Umwelt möglich ist – ganz ohne nachteilige Folgen für unsere Gesundheit. Es geht also um eine individuelle, artgerechte Ernährung. Fisch am Freitag und der Sonntagsbraten sind daher absolut in Ordnung, nur eben nicht jeden Tag. Und vor allem ist eines wichtig: Es muss schmecken.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person

Joachim Haid (44) war 20 Jahre als Versicherungsmakler aktiv. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und mittlerweile Fitnesstrainer mit A-Lizenz.
Mehr Informationen zu ihm und seinem Programm finden Sie unter www.paleomental.de.


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