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Digitale Hebammenberatung

„Eine der Hürden war es, die Nutzerinnen zu überzeugen, dass Sie mit echten Menschen verbunden werden“


Eine Schwangere sitzt aufdme Sofa und sieht lächelnd auf ihr Smartphone.

Bildcopyright: nensuria / iStockfoto-ID: 1058730650

Eine passende Hebamme zu finden, ist für manche Mütter eine Herausforderung – vor allem in größeren Städten. Hinzu kommt, dass Schwangere oder frischgebackene Eltern oft vielfältige Fragen bewegen und der Wunsch nach Unterstützung groß ist. Hier setzt „Kinderheldin“ an, ein neuer digitaler Service für Versicherte der BKK W&F. Wie genau das funktioniert, verrät Nicole Höhmann, Leiterin des Hebammenteams bei Kinderheldin, im Interview.

Frau Höhmann, wie entstand die Idee, „Kinderheldin“ zu gründen?

Die beiden Gründer von Kinderheldin, Fabian Müller und Dr. Paul Hadrossek, haben sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema eHealth beschäftigt. Müller, der bereits im innovativen Start-up-Bereich tätig war, wurde als werdender Papa mit vielen Fragen konfrontiert, für die er keine verlässliche und einfache Möglichkeit sah, an Antworten zu kommen: Ärzte und eben auch Hebammen waren nicht immer kurzfristig dann verfügbar, wenn gerade eine akute Frage oder ein Problem aufkam. Und die Recherche im Internet hat bei ihm meist nur noch mehr Fragen aufgeworfen. Damals dachte er sich, dass es dafür doch eine bessere Alternative geben müsste.

Dr. Hadrossek hatte als Zahnmediziner wiederum schon seit geraumer Zeit an innovativen Versorgungskonzepten und einer Optimierung der Arzt-Patienten-Kommunikation gearbeitet. Seine langjährige Erfahrung im Gesundheitswesen hat ihm gezeigt, dass Ressourcen, Mittel oder Personal fehlen. Für ihn war daher klar, dass die Digitalisierung ein Lösungsansatz sein kann, um die knappen Kapazitäten sinnvoller zu nutzen. Beide haben sich dann 2017 bei Heartbeat Labs, einer Start-up-Plattform für den Digital Health Bereich, kennengelernt und entschlossen, Kinderheldin zu gründen.

Was macht das Angebot so besonders?

Alle (werdenden) Eltern kennen das: Es ist Samstagabend und irgendwas kommt einem komisch vor, man spürt ein Unwohlsein oder entdeckt etwas bei seinem Kind, was vorher noch nicht da war. Ärzte oder Hebammen sind nicht erreichbar oder man will diese auch nicht mit vermeintlichen Kleinigkeiten behelligen. Trotzdem ist man unsicher und wünscht sich Hilfe. Für diese oder ähnliche Situationen soll Kinderheldin ein modernes Angebot sein, bei dem Frauen und Familien schnell kompetenten Rat erhalten. Dabei ist Kinderheldin der einzige Telemedizin-Anbieter mit fest angestellten Hebammen und kann so verbindliche Qualität durch Fachpersonen und feste Erreichbarkeitszeiten garantieren.

Uns ist es wichtig, dass eben kein Termin ausgemacht werden muss, sondern eine Hebamme dann direkt ansprechbar ist, wenn sie gerade gebraucht wird. Durch die Online-Beratung können sich auch diejenigen Familien mit Hebammen austauschen, die keine eigene Hebamme haben oder diese nicht über Gebühr beanspruchen wollen.

Wie wird die Beratung bislang angenommen?

 Eine der schwierigsten Hürden in der Anfangsphase war es, die NutzerInnen davon zu überzeugen, dass sie bei Kinderheldin mit echten Menschen und nicht mit einem Computer verbunden werden. Viele Frauen sagten im Anschluss, sie hätten gar nicht damit gerechnet, dass sie sich direkt mit einer „echten Hebamme“ austauschen können, und waren angenehm überrascht.

In einer Welt zunehmender Digitalisierung und jederzeitiger Verfügbarkeit von Informationen bieten Sie eine direkte, persönliche Beratung via Chat oder Telefon an. Wie wichtig ist Ihnen der persönliche Kontakt?

Aus meiner Sicht können die vielen Informationen im Internet den persönlichen Austausch nicht ersetzen. Auch wenn im Gesundheitswesen der Trend generell in Richtung digitaler Angebote zeigt, ist für mich klar, dass der persönliche Kontakt weiterhin wichtig bleibt. Denn jede Familie hat individuelle Fragen und Probleme und diese können nur in einem persönlichen Chat oder Telefonat zielgerichtet beantwortet werden.

Welche Rolle spielt die Versorgungslage bei den Hebammen bei der Gründung von „Kinderheldin“, insbesondere in den Ballungsräumen und auf dem Land?

Generell sehen wir die Beratung durch Kinderheldin als Ergänzung zur bestehenden Versorgung an, in der wir die Lücke zwischen der ambulanten und stationären Versorgung schließen. Wir wollen schlichtweg die Suche nach Infos im Internet ersetzen. Statt einmal eben im Netz zu suchen, soll es möglich sein, genauso leicht und schnell eine Fachperson digital zu erreichen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob gerade keine Hebamme vor Ort erreichbar ist, die Betreuung vielleicht schon abgeschlossen ist oder die Familien zu einem bestimmten Thema einfach auch einmal eine zweite Meinung hören wollen. Alle Frauen und Familien „googlen“ zu bestimmten Themen und an dieser Stelle möchten wir ansetzen und mit fachlicher Expertise Fragen beantworten und Tipps geben. So einfach ist das.

Vielen Dank für das Gespräch.

Hintergrund: kinderheldin.de

Bequem von zu Hause oder von unterwegs mit einer Hebamme chatten oder telefonieren. Ohne Terminabsprache und immer dann, wenn es gerade nötig ist: Versicherten der BKK W&F steht dieser außergewöhnliche Service mit dem Namen „kinderheldin.de“ zur Verfügung. Kinderheldin bietet eine medizinisch fundierte Beratung für alle akuten sowie allgemeinen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Kind. Die dort tätigen Hebammen sind täglich von 7 bis 22 Uhr erreichbar, örtlich unabhängig per Chat oder Telefon. Die Beratungsleistungen von Kinderheldin können alle weiblichen Versicherten der BKK W&F in Anspruch nehmen, wenn eine ärztlich festgestellte Schwangerschaft vorliegt, längstens bis zu einem Jahr nach dem Entbindungstermin. Für die kostenfreie Nutzung ist ein Gutscheincode notwendig, den Versicherte vorab bei uns anfordern können. Die Adresse der Anmeldeseite lautet www.kinderheldin.de/bkk.