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Ein Leben nach dem Nasenspray

Sachgemäßer Gebrauch macht nicht abhängig


Bildcopyright: LightFieldStudios / iStock-Fotografie-ID: 1048101912

Wer kennt das nicht: Die Nase ist dicht, das Atmen fällt schwer und an Schlaf ist nicht zu denken. Gerade in der nahenden Erkältungszeit greift man beim ersten Anzeichen nur allzu gerne auf Nasensprays aus der Apotheke zurück. Ein Spritzer – und schon ist zumindest ein Problem gelöst und die Nachtruhe gerettet. Aber was passiert, wenn der Griff zum Spray zur Gewohnheit wird? Legt man vorsichtige Schätzungen von Herstellern auf Basis der Verkaufszahlen zugrunde, kaufen bis zu 120.000 Menschen regelmäßig rezeptfreie abschwellende Nasensprays in Apotheken.

Bei längerem Gebrauch kann ein Gewöhnungseffekt eintreten

Nasensprays enthalten abschwellende Wirkstoffe wie Xylometazolin und entzündungshemmende Substanzen, welche die Sektretbildung vermindern. Bei kurzfristiger Anwendung sind dennoch keine Nebenwirkungen zu befürchten.

Wer aber ohne Spray nicht mehr frei atmen kann, sollte sich langsam davon entwöhnen. Darauf hat HNOnet – ein Zusammenschluss der HNO-Ärzte in Nordrhein-Westfalen – bereits im vergangenen Jahr hingewiesen. „Einige Präparate enthalten zudem eine wundheilungsfördernde Komponente, die den Heilungsprozess der strapazierten Schleimhäute unterstützt“, erklärte damals HNO-Arzt Dr. Uso Walter, Vorsitzender des HNOnet NRW. Es gibt jedoch auch Nasensprays, die lediglich aus Meer- oder Salzwasser bestehen. Sie dienen zur Befeuchtung der Schleimhaut sowie Verflüssigung des Sekrets und haben nur eine sehr geringe abschwellende Wirkung.

Anleitung für einen gelungenen Entzug

1. Kaufen Sie sich ein Nasenspray, bei dem Sie den Deckel abschrauben können und füllen Sie Ihr bisheriges, abschwellendes Nasenspray um.

2. Kaufen Sie sich ein kortisonhaltiges Nasenspray (Mometason). Der Wirkstoff wird nicht ins Blut aufgenommen und macht weder abhängig noch verursacht er Nebenwirkungen.

3. Nehmen Sie jeden Abend das kortisonhaltige Nasenspray und ihr bisheriges abschwellendes Nasenspray so wie bisher nach Bedarf.

4. Sobald das abschwellende Nasenspray halb leer ist, füllen Sie es mit Salzwasser auf. Dazu mischen Sie vorher einen Liter Wasser aus dem Wasserhahn mit einem Esslöffel Kochsalz aus der Küche.

5. Immer, wenn das abschwellende Nasenspray wieder halb leer ist, wiederholen Sie Schritt 4. 

6. Wenn das kortisonhaltige Nasenspray leer ist, lassen Sie es weg.

7. Nach circa drei Wochen nehmen Sie durch die Verdünnung nur noch Salzwasser-Nasenspray und haben den Entzug geschafft.

Bei der Anwendung von Nasenspray empfiehlt HNOnet daher generell: Nicht zu lange und nicht zu häufig. Nur Nasensprays, die die Schleimhaut ausschließlich befeuchten, dürfen mehrmals täglich angewendet werden, solche mit abschwellender Wirkung jedoch nur alle acht Stunden. Bei sachgemäßer Anwendung kommt es nach Ansicht von Walter daher auch nicht automatisch zu einer Abhängigkeit. „Aber es kommt auf die Anwendungsdauer an, die eine Woche nicht überschreiten sollte“, unterstrich Dr. Walter. „Als Dauermedikation führt der Gebrauch von Nasenspray schnell zur Abhängigkeit: Die Nase verlernt ihre Regulationsfähigkeit und schwillt nicht mehr von alleine ab. Betroffene sind dann auf immer neue Nasensprayzufuhr angewiesen, um Luft zu bekommen“. 

Alternativen für Kinder

Wenn eine Erkältung zuschlägt, können pflanzliche Arzneimittel helfen, dass Kinder auch mit verstopfter Nase wieder besser atmen. Bei verstopfter Nase kann ein Nasenspray mit Meerwasser helfen. Abschwellende Nasentropfen sollten wegen des Gewöhnungseffekts generell und besonders bei Kindern sehr umsichtig und nur kurzfristig angewendet werden. Zusätzlich kann auch ein Kinder-Balsam mit Eukalyptus, Fichten- oder Kiefernadelöl auf Brust und Rücken aufgetragen werden. Bei ätherischen Ölen muss allerdings darauf geachtet werden, dass Kampfer und Menthol nicht für Kinder unter zwei Jahren geeignet sind.

Unsere Nase: Sensibles Abwehrbollwerk

Die Nase erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben: So ist sie ist Teil unseres komplexen Atmungssystems und filtert die Atemluft. Über den Geruchssinn vervollständigen wir die Wahrnehmung unserer Umwelt. Gleichzeitig sind wir durch die in der Nase befindlichen Flimmerhärchen vor Viren, Bakterien und Fremdstoffen geschützt, die von außen durch die Nase in den Körper gelangen könnten. Eine durch den Dauergebrauch von Spray angegriffene Nase kann über gehäuftes Nasenbluten durch eine geschädigte Schleimhaut im Extremfall auch zum Verlust des Geruchssinns führen.


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