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Erste Hilfe in Corona

"An erster Stelle steht die eigene Gesundheit"


Bildcopyright: 28082550 / iStockfoto-ID: 1051763138. Bild Prof. Dr. Sefrin: Clemens Bilan /DRK

Unfälle mit Verletzten im Straßenverkehr, die gibt es leider auch in Corona-Zeiten. Für die meisten Menschen ist Helfen im Notfall eine Selbstverständlichkeit. Doch die Corona-Pandemie verunsichert viele Menschen. Was Sie beachten sollten, wenn Sie aktuell Erste Hilfe leisten müssen, weiß Prof. Dr. Peter Sefrin, seit 2009 Bundesarzt beim Deutschen Roten Kreuz (DRK).

 

Herr Prof. Dr. Sefrin, welchen Einfluss hat Corona auf die Erste Hilfe?

Das kommt ganz darauf an, in welcher Situation man Erste Hilfe leisten sollte: draußen auf der Straße oder bei einem Notfall in der eigenen Familie? 60 Prozent der Erste-Hilfe-Maßnahmen finden in der Familie statt. Das ist dann etwas ganz anderes: Man kennt sich und kann die Gefahr einer Ansteckung besser einschätzen.

In Deutschland gilt generell die Pflicht, Hilfe zu leisten. Wird diese durch Corona aufgeweicht? Und woran erkenne ich, ob Hilfe gerade wichtiger ist als das Risiko einer Infektion?

Eine Regelung im Strafgesetzbuch besagt, dass jeder verpflichtet ist, Hilfe zu leisten. Wer dies bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht tut, obwohl dies erforderlich und den Umständen nach zuzumuten ist, riskiert eine Freiheits- oder Geldstrafe. Daran ändert auch Corona nichts. Werden Sie beispielsweise bei einem Verkehrsunfall mit der Notwendigkeit einer Ersten Hilfe konfrontiert, gilt weiterhin die Verpflichtung, diese durchzuführen. An erster Stelle steht aber die eigene Sicherheit. Deshalb bleibt es die erste wichtige Aufgabe, eine Unfallstelle abzusichern. Danach wenden Sie sich dem Patienten zu, wobei Sie nicht wissen können, ob er infektiös ist. Deshalb ist das Neue: Sie versuchen, Abstand zu halten. Sie können versuchen das Bewusstsein durch Ansprechen zu prüfen. Ist der Patient bewusstlos, bedarf es natürlich einer sofortigen Hilfe. Entscheiden Sie sich für diese Hilfeleistung oder dagegen? Das kann Ihnen niemand abnehmen.

 

Kompakt: Tipps für die Erste Hilfe in Zeiten von Corona

  • Wenn möglich, den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten.
  • Wenn näherer Kontakt notwendig ist: sofern möglich, Mund und Nase der hilfebedürftigen Person mit einem Tuch abdecken und auch das eigene Gesicht schützen
  • Den Notruf 112 wählen und mit dem Betroffenen kommunizieren: beruhigen und informieren, dass Hilfe unterwegs ist. • Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand in der aktuellen Situation auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten und nur die Herzdruckmassage durchführen (100 bis 120 Mal pro Minute) – solange, bis der Rettungsdienst übernimmt.
  • Den Einsatzkräften die eigenen Kontaktdaten geben, um erreichbar zu sein, für den Fall, dass bei der betroffenen Person nachträglich eine infektiöse Erkrankung festgestellt wird.
  • Als Risikopatient keine direkte Erste Hilfe leisten, sondern sich auf die Organisation der Hilfe beschränken und den Notruf 112 wählen.

 

Wie kann ich vermeiden, mich anzustecken?

Dazu wird empfohlen, für Mund und Nase eine wie auch immer geartete Abdeckung zu finden. Natürlich hat niemand für diesen Fall einen Mundschutz dabei, aber man kann beispielsweise ein Tuch, einen Schal oder Ähnliches vor Mund und Nase legen. Und natürlich auch Handschuhe aus dem Verbandkasten anziehen. Wenn der Betreffende ansprechbar ist, dann können Sie ihn auch bitten, den Ersthelfer durch einen Atemschutz zu schützen. Dazu müssen Sie ihn gezielt auffordern, denn derjenige denkt in diesem Moment sicher nicht daran.

Wie kann ich den Verletzten schützen?

Zunächst gilt hier genau das Gleiche wie sonst auch: Abstand halten. Wenn Sie aber erkennen, dass derjenige so schwer verletzt ist, dass er stirbt, wenn Sie nicht helfen, sollten Sie versuchen, neben sich selbst auch den Verletzten durch einen Mund-Nasen-Schutz Ihrerseits zu schützen.

Wie sollten sich Risikopatienten verhalten?

Wer Angst vor Ansteckung hat, weil er zur Hochrisikogruppe gehört und deshalb nicht hilft, braucht keine Angst vor juristischen Konsequenzen zu haben. Wenn man unbedingt helfen müsste, dann sollten Sie auch als zur Hochrisikogruppe gehörend auf eine Abdeckung von Mund und Nase achten.

Nach der Ersten Hilfe kommt die Versorgung und damit auch eine mögliche Bluttransfusion. Auch hier sind Spender derzeit durch Corona verunsichert. Zu Recht?

Blutspenden sind auch in dieser Zeit alternativlos. Sie werden benötigt. damit Patienten weiterhin sicher mit Blutpräparaten in Therapie und Notfallversorgung behandelt werden können. Die reine Spende ist nicht gefährlicher als sonst, da das Blut selbst nicht infektiös ist. Gefährlich ist wie überall derzeit der menschliche Kontakt. Über noch höhere Hygienestandards stellen die Blutspende-Einrichtungen aber sicher, dass für Spender kein erhöhtes Risiko für eine Corona-Ansteckung besteht. Wer gesund ist, kann also weiterhin bedenkenlos Blut spenden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Aktiv werden: Kurse & Blutspende-Termine

Für Erste-Hilfe-Kurse benötigt man keine Vorkenntnisse. Sie werden von vielen anerkannten Institutionen regelmäßig bundesweit angeboten. Kurse finden Sie z. B. unter:

www.drk.de/hilfe-in-deutschland/kurse-im-ueberblick/rotkreuzkurs-erste-hilfe/

http://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/kurse-im-ueberblick/rotkreuzkurs-erste-hilfe/www.malteser.de/kursangebote/erste-hilfe.html

www.asb.de/suche

Termine für Blutspende-Aktionen finden Sie unter:

www.drk-blutspende.de/blutspendetermine

www.blutspenden.de/blutspendedienste/

 


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