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Zähneknirschen durch Stress

Was tun bei Bruxismus?


Bildcopyright: AndreyPopov / iStockfoto-ID: 1164645564

Es geschieht unwillkürlich, meistens im Schlaf, bei manchen sogar tagsüber: Es wird geknirscht, teilweise so laut, dass es knackt. Das unbewusste Anspannen der Kaumuskulatur mit Knirschen und Pressen der Zähne, der sogenannte Bruxismus, ist auch ein Ventil für den Körper zum Stressabbau. Darauf weist auch die aktuelle ärztliche Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung des Bruxismus hin. So zeigen wissenschaftliche Studien, dass Kauen die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel reduziert.

In Deutschland ist etwa jeder Fünfte von Bruxismus betroffen, wobei das Zähneknirschen tagsüber doppelt so häufig auftritt als nachts. „Die Betroffenen knirschen und pressen meist unbewusst“, erklärt Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. „Doch die im Vergleich zum normalen Kauen deutlich höheren Kräfte hinterlassen Folgen an Zähnen, Mundschleimhaut, Kiefermuskulatur und sogar bei der Funktion der Kieferbewegung.“

Bereits bei leichtem Bruxismus können an der Zahnoberfläche Schliffflächen erkennbar sein, die Wangen Bissspuren aufweisen sowie Zahnabdrücke am Zungenrand entstehen. Bei starkem Knirschen können die Zähne empfindlich werden und schmerzen oder sich sogar lockern. An Zahnersatz und auch Füllungen können Schäden oder Defekte entstehen. Die Kaumuskulatur kann schmerzen, sich müde und steif anfühlen. Auch wird bei einem längeren Bruxismus eine deutliche Zunahme der Kaumuskulatur beobachtet. Studien zeigen, dass Menschen mit Bruxismus ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko für Kopfschmerzen haben. Bruxismus ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Funktionsstörungen des Kiefergelenks, die mit Schmerzen bei der Kieferbewegung und Mundöffnungseinschränkungen einhergeht.

Betroffene sollten sich als erste Maßnahme tagsüber selbst beobachten: Es gilt, sich selbst bewusst
zu machen, wie häufig und in welchen Situationen man die Kiefer anspannt? Hilfreich
kann beispielsweise ein Aufkleber auf dem Handy als Erinnerung sein. Nächtliches Aufwachen
mit zusammengepressten Zähnen sollte ebenfalls wahrgenommen werden. Es gilt, aktiv gegen
die Anspannung zu steuern. So kann progressive Muskelentspannung zu einer Verbesserung führen.
Auch in Zeiten von Corona helfen kleine Auszeiten wie Spazierengehen oder Joggen bei der
Stressbewältigung. Förderlich sind eine gute Schlafhygiene und auf Koffein, Alkohol und Nikotin
zu verzichten. Physiotherapeuten behandeln die verspannte Muskulatur und geben Hinweise zu
speziellen Übungen.

Bringt all dies keine Linderung, sollte man einen Zahnarzt aufsuchen. Er kann prüfen, ob eine
sogenannte Knirscherschiene für den Ober- oder Unterkiefer medizinisch sinnvoll ist. Diese bis zu
fünf Millimeter dicke Aufbissschiene wird individuell auf den Kiefer angepasst gefertigt und in der
Regel nachts getragen. Sie verhindert zwar nicht das Knirschen selbst, aber zumindest den Abrieb.
Die Aufbissschiene stellt ein Zahntechniker nach den Vorgaben des Zahnarzts individuell für den
Patienten im Dentallabor her.

Hintergrund

Ist eine Aufbissschiene medizinisch notwendig, wird diese von der BKK W&F übernommen, in vielen Bundesländern sogar ohne vorherige Genehmigung. Werden Ihnen mit weiteren Kosten verbundene Schienen oder zusätzliche Behandlungen angeboten, fragen Sie Ihren Zahnarzt nach einer eigenanteilsfreien Versorgung. An diesen Kosten dürfen
wir uns nicht beteiligen.


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