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Verfügungen häufig umsonst

Im Interview: Dr. Paul Brandenburg


Dr. med. Paul Brandenburg (Jhg. 1978) ist selbstständiger Notfallmediziner. Er hat deutschlandweit und international Erfahrung als leitender Arzt in Notaufnahmen, Intensivstationen und in der Rettungsmedizin. Als KulturSPIEGEL-Beststellerautor („Kliniken und Nebenwirkungen“) ist er ein profilierter Kritiker der deutschen Gesundheitsindustrie. Brandenburg hat DIPAT entwickelt und führt das Unternehmen alleinverantwortlich. Mit einem Team aus Fachärzten, Psychologen, Juristen und Programmierern hat er über drei Jahre an der Realisierung von DIPAT gearbeitet. Das Angebot ist werbefrei und unbeeinflusst.

Herr Brandenburg, es gibt viele kostenlose Patientenverfügungen. Warum sollten wir jetzt für DIPAT bezahlen?

Brandenburg: Weil kostenlose Verfügungen leider nicht nur gratis sind, sondern häufig auch völlig umsonst. Über 90 Prozent aller bisher in Umlauf befindlichen Patientenverfügungen bleiben im medizinischen Ernstfall wirkungslos.

Also taugt nur die Verfügung von DIPAT? Brandenburg: Ganz sicher nicht: Jeder Arzt mit ausreichend Erfahrung in den entscheidenden Bereichen der Medizin kann mit seinem Patienten eine wirksame Patientenverfügung erstellen. Theoretisch. Denn praktisch gibt es zwei Probleme. Erstens: Zu den maßgeblichen Medizinbereichen gehören in jedem Fall die Notfall-, die Intensiv- und die Palliativmedizin. In diesen Bereichen gibt es aber nur wenige niedergelassene Fachärzte, die man in einer Sprechstunde aufsuchen könnte. Problem zwei: Wenn Sie sich mit Ihrem Arzt in Ruhe zu Ihrer Patientenverfügung beraten wollen, braucht es vor allem Zeit. Das wird in unserem Gesundheitssystem jedoch nicht bezahlt.

Kann DIPAT die persönliche Beratung durch einen Arzt ersetzen?

Brandenburg: In Bezug auf das Verfassen einer Patientenverfügung - ja! DIPAT ist ein Erklär- und Übersetzungsdienst "Deutsch -> Medizin, Medizin -> Deutsch." Und weil DIPAT ein intelligentes Programm ist, stellt es sich bei seiner Erklärung und Übersetzung sehr genau und persönlich auf die Nutzer ein. So schaffen wir es mit DIPAT, den ganz überwiegenden Teil der persönlichen Fragen von Patienten sehr gut zu beantworten. Bei Unsicherheiten gibt es auch bei uns die Möglichkeit, sich von einem Experten beraten zu lassen. Dadurch wird für die allermeisten Nutzer von DIPAT ein zusätzliches, persönliches Gespräch mit einem Arzt überflüssig. Darüber hinaus kann DIPAT den persönlichen Kontakt zum Arzt des Vertrauens natürlich nicht ersetzen.

Wie steht es mit der Datensicherheit bei DIPAT? Könnten Hacker meine Patientenverfügung einsehen oder sogar gegen meinen Willen ändern?

Brandenburg: Datensicherheit und uneingeschränkter Schutz aller Informationen zu unseren Nutzern ist unsere Existenzgrundlage. Wir arbeiten ausschließlich mit speziell gesicherten Servern und Systemen und geben unter keinen Umständen Nutzerdaten an Dritte weiter - auch nicht an Krankenkassen. Trotzdem ist auch bei den besten Systemen nie völlig auszuschließen, dass Kriminelle sich unberechtigt Zugang verschaffen. Grundsätzlich besteht bei jedem Dokument immer auch die Möglichkeit zur Fälschung. Das gilt umso mehr für ein Papierdokument und hat erstmal nichts mit einer digitalen Speicherung zu tun. Eine Patientenverfügung online zu hinterlegen erhöht also keinesfalls die Gefahr, dass es manipuliert oder gefälscht wird.

Was passiert mit meiner Patientenverfügung, wenn es DIPAT nicht mehr geben sollte?

Brandenburg: Um sicherzustellen, dass alle bei DIPAT hinterlegten Verfügungen auch dann über Jahrzehnte jederzeit online abrufbar sind, gründen wir derzeit eine Stiftung. Sie wird genau das sicherstellen und bietet Schutz gegen wirtschaftliche Unsicherheit oder äußere Einflussnahme.

Warum kam vor Ihnen niemand auf eine ähnliche Idee?

Brandenburg: Vor zwei Jahren fingen wir an, das ärztliche Konzept von DIPAT in technische Realität umzusetzen. Dabei stellten wir fest, dass es unheimlich schwierig ist, etwas so Komplexes wie DIPAT für den Nutzer in der Anwendung einfach zu machen. All die Fragen und persönlichen Faktoren, die ein Mensch mitbringt, wenn er sich an die Erstellung seiner Patientenverfügung macht, müssen beantwortet werden. Nicht zu kurz und oberflächlich, aber auch nicht zu umfangreich und kompliziert. Es hat Jahre gedauert, das zu perfektionieren und ist heute ein Vollzeitjob für viele Mitarbeiter, das laufend an alle Neuerungen anzupassen.

Welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind geplant?

Brandenburg: Alle Fragen zur Organspende oder deren Ablehnung sind bereits integriert. Wer eine DIPAT-Patientenverfügung hat, braucht also keinen zusätzlichen Organspendeausweis. Auch Vorsorgevollmachten wird es sehr bald als Zusatzbestandteil geben. Vorsorgevollmachten sind im Gegensatz zu Patientenverfügungen jedoch keine medizinischen, sondern juristische Dokumente, die tatsächlich aber nur notwendig sind, wenn eine umfassend wirksame Patientenverfügung inklusive einer Betreuungsverfügung vorliegt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Verlängerte Nutzungsdauer für Versicherte der BKK WF

Die Nutzungsgebühr beträgt bei einer Dauer von vier Jahren einmalig 48 Euro. Versicherte der BKK WF können den Dienst bei Buchung dieser Nutzungsdauer automatisch ein weiteres Jahr kostenfrei nutzen, also insgesamt fünf Jahre. Eine anschließende Verpflichtung zur Weiternutzung nach Ablauf des Buchungszeitraumes oder Kündigungsfristen bestehen nicht. Gutscheincodes für die Anlage einer Patientenverfügung unter www.dipat.de können per E-Mail an revista@remove-this.bkk-wf.de angefordert werden. Sie werden freundlicherweise von DIPAT zur Verfügung gestellt und nicht aus Beitragsmitteln bezahlt.

 


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