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Organspende: Die Entscheidung zählt

Wichtige und persönliche Entscheidung nicht anderen überlassen


Bildcopyright: takasuu / iStock-Fotografie-ID: 636756192

Jeder dritte Deutsche besitzt einen Organspende-Ausweis. Was zunächst wenig aufregend klingt, relativiert sich bei einem Blick auf die Seltenheit einer Organspende: So haben 2016 laut Deutscher Stiftung Organtransplantation (DSO) insgesamt 857 Menschen nach ihrem Tod Organe für schwer kranke Patienten gespendet. Demgegenüber stehen über 10.000 Menschen auf Wartelisten.

Trotzdem ist das Unbehagen gross. Denn ganz unabhängig von Skandalen aus der Vergangenheit ist die Entscheidung für oder gegen eine mögliche Organspende ein sehr persönlicher Entschluss. Ob man seine Organspendebereitschaft ganz oder teilweise erklärt oder für sich ausschließt, liegt also ganz allein bei jedem selbst. Durch eine Regelung im Transplantationsgesetz sind alle Krankenkassen – und damit auch Ihre BKK W&F – verpflichtet, jeden Versicherten ab 16 Jahren alle zwei Jahre schriftlich, aber ergebnisoffen zu informieren. Das Ziel: Zu einer Entscheidung ermutigen, damit dies im Fall der Fälle nicht Angehörige übernehmen müssen. Der Organspendeausweis hilft dabei, die eigene Einstellung zur Organ- und Gewebespende zu dokumentieren. Nicht nur ein „Ja“ zur Organspende kann darin festgehalten werden. Einer Organspende kann auch widersprochen werden. Auch eine Übertragung der Entscheidung auf andere oder die Begrenzung der Entnahme auf bestimmte Organe ist möglich.

HINTERGRUND: DIE DEUTSCHE STIFTUNG ORGANTRANSPLANTATION (DSO)

Die DSO ist die Koordinierungsstelle für die postmortale Organspende gemäß Transplantationsgesetz und bietet den rund 1.300 Entnahmekrankenhäusern in Deutschland umfassende Serviceangebote bei den Abläufen der Organspende an. Dazu gehören die organi-satorische Unterstützung zur Durchführung der Feststellung des Todes durch den irreversiblen Ausfall der Gesamtfunktionen des Gehirns, die Teilnahme am Gespräch mit den Angehörigen, die medizinischen Maßnahmen zur Erhaltung von Organen und zum Schutz der Organempfänger sowie die Koordinierung der Organentnahme und des Transports der Organe zum Transplantationszentrum.

(VOR-)ERKRANKUNGEN

Eine Organentnahme wird in der Regel ausgeschlossen, wenn beim Verstorbenen eine akute maligne Tumorerkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegt. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den vorliegenden Befunden, ob Organe für eine Entnahme infrage kommen.

KEINE REGISTRIERUNG

Eine Registrierung von Daten im Zusammenhang mit der Bereitschaft zur Organspende findet nicht statt. Es existiert in Deutschland auch kein Widerspruchsregister (Eintragung der Ablehnung). Deshalb ist es wichtig, die eigene Entscheidung auf einem Organspendeausweis festzuhalten und mit der Familie darüber zu sprechen. Genauso wenig ist es notwendig, sich ärztlich untersuchen zu lassen, bevor man sich zur Organspende bereit erklärt. Die medizinische Eignung der Organe für eine Transplantation wird geprüft, nachdem der Tod nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden ist.

VORAUSSETZUNGEN

Bevor Organe für eine Transplantation entnommen werden können, müssen zwei grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein: Der Tod des Spenders muss durch Feststellung des irreversiblen Ausfalls der Gesamtfunktion des Gehirns nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt worden sein. Zweitens muss für die Entnahme eine Einwilligung vorliegen, entweder in Form einer schriftlichen Einverständniserklärung des Verstorbenen (Organspendeausweis) oder indem eine vom Verstorbenen dazu bestimmte Person oder die Angehörigen im Sinne des Verstorbenen einer Entnahme zustimmen.

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

Die Anzahl der postmortal gespendeten Organe lag 2016 bei insgesamt 2.867 gegenüber 2.901 Organen im Vorjahr. Insgesamt konnten bundesweit 3.049 Organe nach postmortaler Spende transplantiert werden, im Jahr zuvor waren es 3.084 Transplantationen. Die Differenz zur Zahl der jeweils gespendeten Organe ergibt sich aus dem internatio-nalen Organaustausch über die Vermittlungsstelle Eurotransplant. Im Vergleich der sieben Regionen der DSO entwickelten sich die Organspendezahlen unterschiedlich. Die höchsten Spenderraten verzeichnen die DSO-Region Ost (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) und die DSO-Region Nord-Ost (Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) mit 14,2 Spendern pro eine Million Einwohner gegenüber 10,4 Spendern im bundesweiten Durchschnitt. Für die Organspende gibt es keine feststehende Altersgrenze. Entscheidend ist der Zustand der Organe. Dieser hängt jedoch nur bedingt vom kalendarischen Alter ab. Über die Frage, ob ein Organ transplantiert werden kann, entscheiden medizinische Tests nach dem Tode – und letztlich der Arzt, der die Organe transplantiert. Völlig unabhängig vom Alter kann die Augenhornhaut (außer bei Säuglingen und Kleinkindern) gespendet werden.

ANTWORTEN AUF PERSÖNLICHE FRAGEN: DAS INFOTELEFON ORGANSPENDE

Das Infotelefon ergänzt die Informationskampagne „Organspende schenkt Leben“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Es beinhaltet ein persönliches Gesprächsangebot für die interessierte Öffentlichkeit. Ein qualifiziertes Team -beantwortet Fragen und versendet Informationsmaterial rund um das Thema Organspende und Transplantation. Bei Bedarf werden erfahrene Fachleute aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Recht und Ethik hinzugezogen. Die am häufigsten bestellten Exemplare aus dem umfangreichen Sortiment des BZgA-Informationsmaterials sind die Broschüren „Antworten auf wichtige Fragen“, „Wie ein zweites Leben“ und der Organspendeausweis. Unter der Rufnummer 0800 9040400 ist das Infotelefon montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr erreichbar. Fragen und Bestellungen können auch unter infotelefon@organspende.de gesendet werden.


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