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Suchtgefahren und fließende Grenzen

50 Jahre Alkoholkrankheit


Bildcopyright: Zinkevych / iStock-Fotografie-ID: 637269690

"Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren", sagt ein Sprichwort. Erst im 19. Jahrhundert definierten Mediziner übermäßigen Alkoholkonsum erstmals als Krankheit. Dies fand jedoch lange Zeit weder bei Medizinern noch in der Gesellschaft Anerkennung. Erst seit 1952 bezeichnet die Weltgesundheits- organisation (WHO) Alkoholismus als Krankheit, 1968 zog in Deutschland das Bundessozialgericht nach. Seither können sich Alkoholkranke für ihre Entziehungskur in ambulante oder stationäre Behandlung begeben.

Risikoarmer Genuss

Experten sind sich daher einig: Risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Auch kleine Mengen Alkohol sind also schädlich, das Risiko für Folgeerkrankungen steigt jedoch mit zunehmender Konsummenge. Die Dosierung spielt daher durchaus eine Rolle. Wer "risikoarm" genießen will, sollte sich an den offiziellen Grenzwerten orientieren, die im Jahr 2000 im Rahmen einer Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit für gesunde Erwachsene ihren Ursprung haben. Danach sollten Frauen nicht mehr als zwölf Gramm reinen Alkohol pro Tag konsumieren. Für Männer gilt eine - unter Experten nicht unumstrittene - höhere Grenze von 24 Gramm reinen Alkohol pro Tag. Beide - Männer wie Frauen - sollten an mindestens zwei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol verzichten. Zur Orientierung: Ein Glas Bier mit 0,25 Litern und einem Alkoholgehalt von ca. 4,8 Vol.-% enthält ungefähr 10 Gramm reinen Alkohol. Ein Glas Sekt (0,1 Liter) mit einem Alkoholgehalt von 11 Vol.-% enthält mit etwa 9 Gramm unwesentlich weniger, ein Achtel Glas Wein (0,125 Liter) mit einem Alkoholgehalt von 11 Vol.-% enthält etwa 11 Gramm. Auch mit einem Glas Schnaps (4 Zentiliter) und einem Alkoholgehalt von ca. 33 Vol.-%, nehmen Sie ungefähr 11 Gramm reinen Alkohol zu sich. All diese Mengen entsprechen der risikoarmen Menge für Frauen. Das Problem: Die Werte gelten nur für gesunde Menschen ohne gesundheitliche Vorbelastungen.

Alkohol und seine Wirkung - das passiert im Körper

Die Hauptlast beim Abbau des Alkohols trägt die Leber. Ihre Enzyme zerlegen das Zellgift Ethanol in seine Bestandteile, eine an sich gute Funktion. Allerdings vernachlässigt sie dafür je nach Intensität des individuellen Trinkverhaltens andere Aufgaben und kann so allmählich verfetten. Wer jahrelang trinkt, riskiert zudem eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Alkohol schädigt auch die Schleimhaut von Mund, Kehlkopf, Rachen und Speiseröhre. Krebserregende Stoffe dringen leichter ins Gewebe ein. Damit steigt auch das Krebsrisiko. Leberkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs sind klassische Spätfolgen langjährigen Alkoholkonsums. Auch Brust-, Dickdarm- und Enddarmkrebs sollen in Zusammenhang mit Alkohol stehen. Alkohol lässt überdies den Blutdruck steigen und bringt das Herz außer Takt. Herzrhythmusstörungen und Herzrasen sind häufig die Folge. Aber nicht nur körperlich macht sich ein übermäßiger Alkoholkonsum bemerkbar. Er sorgt auch für Konzentrationsstörungen, Desorientiertheit, aggressives Verhalten und/oder depressive Verstimmung.

Tabu: 
Alkohol in der Schwangerschaft

Wenn eine schwangere Frau Alkohol trinkt, dann trinkt ihr ungeborenes Kind mit. Alkohol ist plazentagängig und gelangt so ungehindert in den Körper des sich entwickelnden Kinds.

Die Akzeptanz von kleinen Mengen Alkohol während der Schwangerschaft steigt mit zunehmendem Alter. Während 84 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 24 Jahren der Aussage nicht zustimmen, hält ein Viertel (23 Prozent) der Befragten ab dem 55. Lebensjahr ein gelegentliches Gläschen Bier oder Sekt während der Schwangerschaft für vertretbar (Quelle: INSA Consulere - Meinungstrend).

Mütterlicher Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist eine häufige Ursache für angeborene Fehlbildungen, geistige Behinderungen, hirnorganische Beeinträchtigungen, Entwicklungsstörungen und extreme Verhaltensauffälligkeiten. Alle Formen dieser vorgeburtlichen Schädigungen werden unter dem Begriff FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) zusammengefasst. Kinder mit FASD sind für ihr gesamtes Leben geschädigt, wobei die größten Probleme oft in der Bewältigung des Alltags liegen. Ein normales Leben in der Gesellschaft ist nur den wenigsten Jugendlichen und Erwachsenen mit FASD möglich. Es gibt daher keine unbedenkliche Trinkmenge und keine Schwangerschaftsphase, in der Alkoholkonsum sicher wäre. Das Positive: Alle alkoholbedingten Folgeschäden bei Neugeborenen sind damit zu 
100 Prozent vermeidbar.

Abhängigkeit - ein Teufelskreis

Eine Alkoholsucht verläuft oft in bestimmten Phasen. Obwohl sich die individuellen Formen der Erkrankung unterscheiden, gilt folgender Verlauf als typisch: 

  1. Zunächst wird immer häufiger getrunken, um Probleme zu bewältigen und bestimmte Situationen besser erträglich zu machen. Ein täglicher Alkoholkonsum kann die Folge sein. 
  2. In einer nächsten Stufe wird Alkohol immer wichtiger, die Gedanken kreisen fast nur noch um das Thema Trinken und darum, sich Alkohol zu beschaffen und die eigenen Trinkgewohnheiten vor Freunden, Familie und Kollegen zu verheimlichen. Dazu kommt ein fortschreitender Kontrollverlust.
  3. In der letzten Phase beherrscht die Alkoholsucht den Tagesablauf und das Verhalten der Betroffenen. Geistige Fähigkeiten lassen dabei sehr oft nach.

Was man tun kann

Einem alkoholkranken Menschen mitten im Trinken zu sagen, er solle damit aufhören, ist ebenso sinnlos, wie einem Asthmatiker zu sagen, er solle aufhören zu husten. Bis zu dieser Erkenntnis haben es Angehörige in der Regel sehr schwer. Diese sollten mit dem oder der Alkoholkranken daher nur dann über Hilfsmöglichkeiten sprechen, wenn er oder sie einen nüchternen Eindruck macht. Je mehr sich Angehörige über die Krankheit informieren, umso besser können sie mit ihr umgehen. Hilfe für Betroffene wie Angehörige bieten nicht nur Ärzte, es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Informationsdienste.

 

Hilfe und Beratung: Info-Telefon

Das Infotelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet seit vielen Jahren eine persönliche, anonyme telefonische Beratungshotline. Dort kann man auch erfahren, an welche Hilfs- und Beratungsstelle in der Nähe man sich wenden kann: Tel 0221 892031* Mo bis Do: 10 bis 22 Uhr Fr bis So: 10 bis 18 Uhr Preis entsprechend der Preisliste Ihres Telefonanbieters für Gespräche in das Kölner Ortsnetz.

 

 


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