Inhalt

Kategorie:  

„Pflanzliche Ernährung steigert das Wohlbefinden“

Im Interview: „Mr. Broccoli“ Christian Wenzel


Bildcopyright: Christian Wenzel

Vegane Kochbücher entwickeln sich zu Bestsellern, der Umsatz mit Fleischalternativen explodiert und in den Medien wird das Thema so häufig aufgegriffen wie nie zuvor: Pflanzenbasierte Ernährung liegt derzeit im Trend. Nicht nur der ProVeg Deutschland e. V. geht aktuell von rund acht Millionen Vegetariern in Deutschland aus, 1,3 Millionen davon ernähren sich demnach sogar rein pflanzlich – mit steigender Tendenz. Was ist das Besondere an dieser Form der Ernährung? Christian Wenzel (38) weiß mehr. Als Mr. Broccoli ist er regelmäßig in TV, Hörfunk und Printmedien zu Gast. Wenzel ist verheiratet und lebt als glücklicher Vater von zwei Töchtern in Bayern. Der Vegan-Experte, Buchautor und Unternehmer betreibt mit vegan.athletes einen der größten Blogs für vegane Ernährung und inspiriert dabei undogmatisch zu mehr Gesundheit.

Hallo Christian, wie bist du auf die Idee gekommen, dich mit veganer Ernährung zu beschäftigen?

Ich hatte eine gesundheitlich sehr belastete Kindheit durch Asthma, Neurodermitis und eine Milch-Eiweiß-Allergie. Als Wendepunkt bezeichne ich gerne einen Moment meines Lebens, als ich gerade 13 Jahre alt war und mich auch seelisch schlecht fühlte. Als ich dann eines Tages meine Hornbrille auf dem Pausenhof verlor und die Durchsage „Der VERLIERER soll sie im Sekretariat abholen“ hörte, hatte ich nur noch einen Wunsch: ein ganz gesunder Erwachsener zu werden. Heute kann ich sagen: Das habe ich geschafft.

Wie ging es weiter?

Ich habe dann mit Anfang 30 damit begonnen, stärker auf Bio-Produkte zu setzen. Das hohe Preisgefüge und mein Wunsch nach einem schöneren Körper und mehr Leistung hat mich dann nach und nach zum Veganer werden lassen. Mein Schwerpunkt liegt dabei bis heute klar auf der Ernährung. Ich bin auch jetzt noch mehr denn je davon überzeugt, dass vegane Ernährung die eigene Gesundheit positiv beeinflusst.

Warum ist vegane Ernährung denn so vorteilhaft?

Ich bin kein Dogmatiker und möchte niemanden zwingen, Veganer zu werden. Viel wichtiger ist es mir, darüber aufzuklären, dass pflanzliche Nahrung deutlich besser für das eigene Wohlbefinden ist. Man spürt schon nach wenigen Tagen mehr Energie, hat bessere Haut, eine gesündere Verdauung und eine kürzere Regenerationszeit nach sportlichen und beruflichen Herausforderungen.

Hype oder Zukunft? „Fleisch“ aus Pflanzenstoffen

Ein großer Discounter hat im Frühjahr einen veganen Burger aus den USA als Aktionsangebot ins Sortiment geholt, weitere zogen nach. Bislang sind sie dennoch meist innerhalb von Minuten ausverkauft. Diese „Beyond Burger“ genannten Patties sind derzeit in aller Munde: Ob im Börsenfachblatt, im TV-Boulevardmagazin oder beim Gespräch in der Kaffeeküche. Die Idee: Fleisch aus Pflanzenstoffen kopieren und in den Supermarkt bringen. Sie basieren auf Erbsenprotein und sind damit im Gegensatz zu vielen anderen Fleischalternativen frei von Soja oder Gluten. Das Erbsenprotein soll in seiner Textur an die Muskelfasern in Fleisch erinnern. Rote Bete sorgt außerdem für eine rosa Färbung, sodass die Burger wie „echte“ Fleischfrikadellen schmecken und aussehen. Die Hauptzutaten des Burgers sind bisher Wasser, Erbsenprotein, Rapsöl und Kokosöl. Neben Rote-Bete-Saft als Farbstoff enthält er unter anderem Sonnenblumenöl, Cellulose, Kartoffelstärke, den Zuckerersatzstoff Maltodextrin und einige weitere Zusatzstoffe. Die Rezeptur wurde vor Kurzem aber geändert, um den veganen Burger noch „fleischiger“ schmecken zu lassen.

Wie begegnest du Vorurteilen?

Da bin ich ganz pragmatisch: Jeder sollte zuerst sich selbst unter die Lupe nehmen, bevor er mit dem Finger auf andere zeigt. Ein Veganern oft unterstellter Vitamin-B12-Mangel liegt beispielsweise häufig auch bei einer fleischhaltigen Ernährung vor, hat also nicht zwingend etwas mit veganer Ernährung zu tun. Hochwertige unverarbeitete und natürlich hergestellte Nahrungsergänzungsmittel sind daher nicht nur bei veganer Ernährung sinnvoll.

Wie sieht eine vollwertige vegane Ernährung aus deiner Sicht aus?

Ich setze auf Plant Based Food – Grundnahrungsmittel wie gekeimten Buchweizen oder Lupinen als Eiweißlieferant. Denn je unverarbeiteter Nahrung ist, desto besser wird unser Körper reagieren, da das Separieren der Bestandteile Energie kostet. Wenn jemand aber lieber verarbeitete Produkte wie Haferflocken oder Soja zu sich nimmt, ist auch das immer noch deutlich besser als Pommes.

Warum ist für dich die Verknüpfung von veganer Ernährung und Sport so wichtig?

Die vegane Ernährung benötigt weniger Energie, um im Körper verarbeitet zu werden. Zumindest wenn wir von einer „gesunden” veganen Ernährung mit einem hohen Anteil an Gemüse und Obst sprechen. Tierische Produkte wie Fleisch, Milchprodukte und andere benötigen mehr Energie und längere Zeit, um verdaut zu werden. Dies nimmt Kraft weg, die ich dann im Training zur Verfügung habe. In der Umstellung auf die vegane Ernährung fiel mir bereits nach wenigen Tagen auf, dass ich während des Tages nicht mehr müde bin und nicht mehr gähne. Jederzeit top-fit durch den Tag zu gehen, hat schon seine Vorteile. All dies findet sich auch in meinem Online-Coachingprogramm 28 Tage Beautiful Body Transformation wieder.

Aktuell dreht sich in der öffentlichen Diskussion viel um das Thema „Fleisch“ aus Pflanzenstoffen, gerade im Hinblick auf vegane Burger. Wie denkst du darüber?

Ich habe ihn natürlich auch probiert und gegen einen gelegentlichen Verzehr von veganen Burgern habe ich auch nichts einzuwenden. Mit gesunder Ernährung hat dies aber nichts zu tun. Viele der Burger-Patties sind nicht natürlich und das Produkt stark verarbeitet. Wenn eine vegane Burger-Alternative, dann am besten so natürlich wie möglich, ohne Soja und rein aus Gemüse.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Kennzeichnungsvorschriften

Auch vegane Lebensmittel unterliegen den allgemeinen lebensmittelrechtlichen Kennzeichnungsvorschriften der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV). In Deutschland sind die Länder für die Lebensmittelüberwachung zuständig. Die Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder hat 2016 einer Definition der Begriffe „vegan“ und in Abgrenzung dazu auch „vegetarisch“ zugestimmt.

Als vegan dürfen demnach Lebensmittel bezeichnet werden, die keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf allen Produktions- und Verarbeitungsstufen keine Zutaten (einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen und Enzyme), Verarbeitungshilfsstoffe oder Nicht-Lebensmittelzusatzstoffe, die auf dieselbe Weise und zu demselben Zweck wie Verarbeitungshilfsstoffe verwendet werden, die tierischen Ursprungs sind, in verarbeiteter oder unverarbeiteter Form zugesetzt oder verwendet worden sind.

Vegetarisch sind Lebensmittel, welche die Anforderungen des Absatzes 1 erfüllen, bei deren Produktion jedoch abweichend davon Milch und Kolostrum, Farmgeflügel-Eier, Bienenhonig und -wachs, Propolis oder Wollfett/Lanolin aus von lebenden Schafen gewonnener Wolle oder deren Bestandteile oder daraus gewonnene Erzeugnisse zugesetzt oder verwendet worden sein können.  


Keine Artikel in dieser Ansicht.