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Elektronische Patientenakte auf Kurs

Neuer Schwung für die Vernetzung im Gesundheitswesen


Grafik mit 4 Menschenbildern  vor einer lila Wand.

Bildcopyright: kentoh / iStockfoto-ID: 831528872

Die Vernetzung aller Akteure des Gesundheitswesens hat im vergangenen Jahr deutlich an Fahrt aufgenommen: Grund ist die ab 2021 anstehende Einführung der neuen elektronischen Patientenakte (ePA).

Ab dem 1. Januar 2021 müssen alle gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten nach dem Willen des Gesetzgebers eine elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügungstellen – dafür hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz im Herbst 2019 gesorgt. Die Nutzung der ePA ist dabei freiwillig. Gespeichert können in der Patientenakte künftig Daten rund um Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Behandlungsberichte, Impfungen, elektronische Medikationspläne, elektronische Arztbriefe und Notfalldatensätze – sofern der Versicherte dies ausdrücklich wünscht.

Vernetzung

Versicherten der BKK W&F wird dann die von IT-Dienstleister BITMARCK und Partner RISE derzeit in der Entwicklung befindliche ePA zur Verfügung stehen. Damit Daten in der Akte gespeichert werden können, müssen aber auch Leistungserbringer wie Arztpraxen und Krankenhäuser, an die sogenannte Tele-matikinfrastruktur (TI) angeschlossen werden. Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz werden Apotheken und Krankenhäuser dazu verpflichtet, Arztpraxen ohne TI-Anbindung werden durch ansonsten drohende Honorarkürzungen zur Teilnahme bewegt.

„Nur wenn alle relevanten Gesundheitsinformationen schnell in die Akte kommen, bietet sie einen echten Nutzen für Patienten und Leistungserbringer. Es ist nicht nur wichtig, endlich alle Gesundheitsinformationen eines Patienten auf einer Plattform zu bündeln, sondern vor allem auch sicherzustellen, dass die Informationen zeitnah dort abgelegt und von allen zugriffsberechtigten Leistungserbringern eingesehen werden können“, erläutert Björn Hansen die eigentliche Herausforderung im Jahr 2021. „Jeder Patient muss dabei zukünftig direkt nach der Verschreibung eines Medikaments das Rezept in seiner ePA finden können. Folgerezepte sollten ohne Arztkontakt direkt in die Akte geschickt werden – das wäre sowohl für die Ärzte als auch für die Versicherten praktisch“, so der Vorstand der BKK W&F weiter.

Zugangswege

Der wesentliche Schlüssel für die Nutzung der ePA wird die Gesundheitskarte sein. Alle gesetzlich Versicherten erhalten daher voraussichtlich im Herbst 2020 persönliche Identifikationsnummern (PIN und PUK). Diese Geheimnummer macht die Karte zum persönlichen Schlüssel des Versicherten. Auch Ärzte sowie Psychotherapeuten erhalten eine eigene Karte, den so genannten Heilberufsausweis. Erst wenn die Gesundheitskarte und der Heilberufsausweis im Kartenlesegerät stecken und sich beide Seiten mit ihrer jeweiligen persönlichen Identifikationsnummer (PIN) identifiziert haben, können die Daten entschlüsselt und gelesen werden. Um die Daten an mobilen Endgeräten einzusehen, werden Gesundheitskarten nach und nach eine „Near Field Communication“ (NFC)- Funktionalität erhalten. Damit sollen Versicherte die Gesundheitskarte mit ihrem Smartphone verbinden können. Besondere Lesegeräte sind dazu nicht notwendig.

Als Alternative soll auch der mobile Abruf von Daten ohne Gesundheitskarte ermöglicht werden. Dazu ist die vorherige Einrichtung einer so genannten alternativen Versichertenidentität (al.vi) notwendig. Diese Identität muss dann bei einem Signaturdienst erfragt und authentifiziert werden. Versicherte, die kein mobiles Endgerät besitzen, sollen zu einem späteren Zeitpunkt zudem die Möglichkeit erhalten, ihre ePA in einer Filiale ihrer Krankenkasse einzusehen.

Datenschutz

Beim Datenschutz werden keine Kompromisse gemacht: Hier schafft auch das neue Patienten-datenschutzgesetz (PDSG) nochmals ergänzende Regelungen. Da es sich bei den in der Akte gespeicherten Daten um hochsensible Gesundheitsdaten handelt, dürfen ausschließlich die Nutzer selbst Einblick in die Daten haben, zudem muss ein Höchstmaß an Schutz für die personenbezogenen medizinischen Daten sichergestellt sein, um die informationelle Selbstbestimmung zu gewährleisten. Für die Zulassung einer ePA ist die gematik GmbH verantwortlich.

Hintergrund: Technische Vorgaben und Entwicklung

Die funktionalen und technischen Anforderungen an die Telematikinfrastruktur und damit auch an die ePA werden durch die gematik GmbH festgelegt. Die Umsetzung der gematik-Vorgaben wird von den Krankenkassen mit unterschiedlichen Partnern vorangetrieben. Die BKK W&F greift auf die Entwicklungspartnerschaft von BITMARCK Unternehmensgruppe und RISE zurück.

gematik
Wurde 2005 gegründet, um die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und ihrer Infrastruktur in Deutschland zu koordinieren. Gesellschafter sind das Bundesministerium für Gesundheit (51 Prozent), die Bundesärztekammer, die Bundeszahnärztekammer, der Deutsche Apothekerverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und seit Kurzem auch wieder der Verband der Privaten Krankenversicherung.

BITMARCK
Als IT-Dienstleister für Gesellschafter aus dem Kreis von Betriebs- und Innungs- und Ersatzkrankenkassen mit insgesamt rund 25 Millionen Versicherten ist die Kernsoftware BITMARCK_21c|ng seit vielen Jahren bei der BKK W&F im Einsatz. Auf Basis einer europaweiten Ausschreibung arbeitet BITMARCK für die Entwicklung einer ePA mit dem österreichischen Hersteller RISE zusammen.

RISE
Die RISE wurde vor mehr als 20 Jahren aus der TU Wien ausgegründet. Im Gesundheitswesen hat RISE bereits 2005 ein Vorsystem des in allen Arztpraxen und Krankenhäusern notwendigen Konnektors für Österreich geliefert und ist bis heute für die Wartung und Weiterentwicklung verantwortlich. 


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